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"be careful,                                                                         helled is watching you!" 





 
für pablo neruda                                              (siehe dort...)


die furcht vor dem verwelken
beinhaltet die freude
an der blüte
wie die angst vor dem tod
das leben

jedes böse wort
enthält bereits den schmerz
den es auslöst -
jeder erfüllte wunsch
weckt eine neue sehnsucht

deine augen sehen viel mehr                                   
als alle anderen -
sie sehen dich
aber auch
die eigentliche seite
der menschen


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für andré heller                                               (siehe dort...)


tausend leuchtende
gesichter
zeigen nur ein einziges
und verbergen es
gleichzeitig

ein wort besteht  nicht
durch das sprechen
sondern durch das
hören

der tod
gewinnt seine bedeutung
nicht durch das sterben
sondern durch das
leben

das selbständige fliegen
aus eigener kraft
ist noch die geringste
der menschlichen
entfaltungsmöglichkeiten

 


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für josef beuys                    


ein fest feiern
dessen grund
niemand versteht
dessen zweck
unbekannt bleibt
dessen gäste
sich fremd sind

das eigentlich
gar kein fest ist
sondern eine trauer
eine unendlich tiefe
trauer

die in den köpfen steckt
die eigentlich
gar keine köpfe sind
sondern nur vorgeben
welche zu sein
sich zu kennen
einen zweck zu verfolgen
den grund zu verstehen
ein fest zu feiern

 


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für reinhold messner                                       (siehe dort...)


am rande der
möglichkeiten
und der ewigkeit
wirfst du mit steinen
gegen deinen
gläsernen horizont

tausende von metern
über dich selbst
hinausgewachsen
kannst du dort atmen
wo andere ersticken

und lebst du auch
nur eine handbreit
unter den sternen
so bleibt der
unerreichbare gipfel
in dir selbst
unbesiegt

 



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für christa mc auliffe

(Das war die junge Lehrerin, die als erste Zivil-Person
unter Tausenden  für einen Raumflug ausgewählt wurde.
Sekunden nach dem Start ist das Raumschiff Challanger explodiert.)


als stern wolltest du
die erde umkreisen
den traum
eines jungen mädchens realisieren
das zu dir aufschaut
und das du selbst bist

oder wolltest du in eine
äußere grenzenlosigkeit fliehen
vor deinen inneren grenzen
deine fanthasie aufsteigen lassen
einem feuerwerk gleich?

und nun bist du selbst
ein feuerwerk geworden -
für wenige sekunden
hat sich dein traum erfüllt
oder hat das alles nur
in unserer fanthasie stattgefunden?

 


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für carlos castaneda                 


die stimme eines
vorbeifliegenden vogels
oder der wind
in der fanthasie
zeigen dir den weg
über die grenzen

wir müssen lernen
auf zeichen zu achten
vor allem auf jene
die wir selbst geben
ohne es zu wissen

die grenzen in uns sind es
die wir überschreiten müssen
dazu brauchen wir viel kraft
und wir haben nur sehr wenig

laßt uns sorgfältig
damit umgehen -
mit den worten
den gefühlen
mit dem was wir geben
und dem was wir nehmen

dann bleibt uns die kraft
erhalten
die wir irgendwann einmal
so dringend benötigen werden

 


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für peter handke


worte wörtlich nehmen
sich von außen betrachten
sich sehen
in vorbeifahrenden zügen
und durch die
windschutzscheiben
alter amerikanischer
straßenkreuzer

auf reisen sein
heimkehren
ohne heimat
hinter die dinge schauen
sich verunsichern lassen

bilder aus buchstaben
wachsen lassen
und sterben lassen
die macht
und die ohnmacht
beim schreiben
spüren

 


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für hanns dieter hüsch                                             


irgendwann
z.b. im theater
einfach aufstehen
und rufen:
also das eben habe ich ja
überhaupt nicht verstanden
und was das denn solle?
das hätte man ja ganz anders
machen können
müssen...

oder im kino
die stimme aus dem dunkel:
das ist ja diletantisch
oder einfacher: buh!
macht doch endlich das licht an
und dabei kräftiges rascheln
mit erdnusstütenpapier
aus protest versteht sich
und nicht wegen der erdnüsse

oder aber im leben
man stelle sich vor
auf der straße
wirft jemand mit erdnüssen
und ruft:
ich verstehe das nicht mehr!
den schickt man doch
in die anstalt
weg mit dem kerl!

und dort stehen dann
viele herum und rufen:
das müßte man besser machen!
aber man läßt sie nicht mehr -                                                          
vielleicht sollten wir
vorher mehr auf den
zwischenrufer in uns selbst
achten
bevor seine stimme
leiser wird
und wir ihn                                                                                                                                                               überhören                            (am 5.12.05 ist Hanns Dieter Hüsch gestorben.)




   (Link: am Bosporus/Istanbul-Türkiye)





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Hinter den Bergen ist es kalt,
dieser Satz fiel mir zuerst ein,
als ich ein Gedicht für dich schreiben wollte,
warum, weiß ich nicht, aber
pass gut auf dich auf, dass du nicht erfrierst.

Du hast schon immer mehr gewollt,
dabei gibt es so viel Schönes,
das in der Ungerechtigkeit gedeiht.
Du hast es meistens übersehen,
und  warst doch selbst ein Teil davon.

Über den Horizont hinaussehen war damals
dein Lieblingsspiel, statt Blumen zu pflücken,
oder mit niedlichen Puppen-Opfern zu spielen.
Und du hast sehr früh begriffen, sich selbst
nahe zu sein, hat nichts zu tun mit Zufriedenheit.

Die Liebe ist oft nur ein tragischer Irrtum,
aber manchmal unendlich...
Von Romeo und Julia bis Bonnie und Clyde
sind sie zwar alle letztendlich gescheitert,
aber möglicherweise glücklich.

Wir schlendern an diesem kleinen Fluss entlang
und sehen uns nicht und sind uns nahe.
Das Leben dauert noch lange, vielleicht...
und irgendwo werden wir uns oder uns selbst begegnen.
Wir haben unterschiedliche Wege zum gleichen Ziel.

Wie soll ich dich verstehen, wenn du selbst zerrissen bist
und ich noch nicht mal meine eigenen Narben begreife....
Wenn mich deine Augen faszinieren aber ich
die Richtung, in die sie schauen, nicht erkennen kann
und meine Zärtlichkeit dich nie erreicht hat.

Aber dieses Stück gemeinsamen Weges an dem kleinen Fluss,
wird vielleicht viele Jahre später das Einzige sein,
was unsere Welten noch miteinander verbindet.
Wir haben uns aus den Augen verloren... – deine Augen....
der künstliche Nebel hat sich über die Bühne gesenkt.                                                                                                                                        Die Welt von morgen konnten und wollten wir                                                                   uns damals doch noch gar nicht vorstellen...     


(für Gudrun)





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Zum Tode von Jennifer Nitsch am 13.6.2004 in München


Eine junge Frau, als Schauspielerin erfolgreich, mehrfach mit Preisen ausgezeichnet, attraktiv und sicher mit einer guten Zukunft. Wohl aber mit einer schweren Vergangenheit, wie man jetzt erfährt.
Die Filmwelt ist aus Zelluloid, die Bilder kommen von Monitoren oder Leinwänden, sie zeigen Gesichter, aber selten Menschen. Die Rollen sind eingeübt, werden beherrscht, gefeiert, die Persönlichkeiten dahinter nur selten. Und manchmal ist vor lauter Rolle kein Platz mehr für eine eigene Persönlichkeit oder sie kann gut dahinter versteckt werden.
Was immer Jennifer Nitsch bewegt hat, ihrem jungen Leben ein Ende zu setzen, ich weiß es nicht.
Ich habe sie noch nicht mal persönlich gekannt, obwohl sie in meiner Stadt gelebt hat. So wie Millionen andere auch. Aber sie ist auch in meiner Stadt gestorben, was mich zumindest veranlasst hat, am gestrigen Abend einmal "innezuhalten".
Es gibt viele gescheiterte Existenzen, die am Rande der Gesellschaft im Schatten ihr Leben irgendwie meistern oder zumindest leben und anderen, scheinbar im Licht, gelingt es nicht. So einfach ist das.
So einfach ist das eben nicht!
Als ich heute morgen kurz nach sieben zur Arbeit gefahren bin, saß ein abgerissener Mann auf einer Bank vor der U-Bahn und trank sein Bier. Da musste ich plötzlich wieder an Jennifer Nitsch denken.
Das eine hätte doch mit dem anderen nichts zu tun, sagte eine Kollegin, mit der ich darüber gesprochen habe. Doch, sagte ich, es hat miteinander zu tun. Dieser Penner hat den Sonnenaufgang gesehen und Jennifer Nitsch nicht mehr.



ein schwacher wind
brachte dein kartenhaus
zum einsturz -
ein gerade begonnenes spiel
ging zu ende
und es hatte einen verlierer
ohne einen sieger zu haben.

deine träume wurden
mit füssen getreten
die den kontakt zum boden
längst verloren hatten –
die gemeinsamkeit
war ein schloss aus lügen.

der himmel
war einfach zu weit
um von dir
erobert zu werden –
die einsamkeit hat nun mal                                                                                     keinen sonnenaufgang.
 



 
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Am 26.3.06 ist der "Vogelmensch" Angelo d`Arrigo in Sizilien vom Himmel gefallen...




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du hast deinen träumen                                
flügel verliehen
und der grenzenlosigkeit
einen namen gegeben.
dein partner war der wind
und sogar die kondore
haben dich darum beneidet.

so wie Ikarus, zu hause
zwischen dem feuer des ätnas
und dem licht der sonne,
gab es alles zu finden
und nichts zu verlieren.

die erde war immer deine
vergangenheit und auch deine gegenwart geblieben                                                                                      greifbar und begriffen,
doch jetzt haben wir erkannt,
dass deine zukunft
ganz wo anders lag.

nun hat dich der wind über           unseren horizont hinausgetrieben                                                                    oder bist du vielleicht doch 
nur den göttern zu nahe gekommen?
der himmel über sizilien
ist jedenfalls ärmer geworden...   

aber vielleicht bist du
ja auch gar nicht tot,
sondern hast dich nur
in einen adler verwandelt
und bist ganz einfach
davongeflogen...


(Foto-Link: Eintrag in seinem Gästebuch)


Angelo d`Arrigo war Drachenflug-Weltrekordler in Höhen und Weiten. Er ist über den Mount Everest geflogen, über das Mittelmeer, mit den Kondoren über die Anden und mit den Kranichen in Sibirien. Während der großen Ausbrüche ist er über den Ätna geflogen und er ist auch über mich geflogen, in Sizilien am Strand unterhalb des Ätnas. Ein Adler war sein Freund...

Buchempfehlung!!!   "Angelo D´Arrigo: Das Geheimnis der Adler" (Malik)




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Sommeranfang ist nur ein Datum, für mich
gibt`s keinen Anfang und kein Ende,
der Sommer fängt für mich täglich an.
Und wenn ich es wirklich will
dann braucht er auch keinen Anfang,
denn er endet nie und ich bin dran.                                                                

Die Nackerten an der Isar
bekommen den ersten Sonnenbrand
und am Abend hüllt der wehende Rauch
von unzähligen Feuern am Ufer
die Isarauen in trüben Dunst
und ich glaube, das brauchen sie auch.

   Komm gib mir deine Hand
   und deine Augen, deine Worte
   und schenke mir deine Sympathie.
   Dann nehme ich meinen Rücken
   endlich von der Wand
   und werde leben wie noch nie.

Das sind die Johannisfeuer unserer Zeit,
die Hemden voller Schweiß, und die Herzen
voll Gefühl, das dich unerwartet tief berührt.
Schön, wenn du einen Menschen an der Hand hast,
und vier Augen in die gleiche Richtung sehen
und eine Haut, die Berührung auch noch spürt.

Die warme Luft und das frische Gras
auf der Haut spüren, Freiheit verstehen,
jetzt endlich geht es wieder aufwärts bis zum Dach.
Wir können keine Fehler mehr machen,
der Geist wird wieder neu und stark
und das Fleisch wird endlich weder schwach.

   Komm gib mir deine Hand
   und deine Augen, deine Worte
   und schenke mir deine Sympathie.
   Dann nehme ich meinen Rücken
   endlich von der Wand
   und werde leben wie noch nie.

Wenn du mich fragst, ob ich dich liebe,
dann werde ich ja sagen... ja sagen,
denn ich habe viel zu oft schon nein gesagt.
Ich werde jetzt wieder empfänglich sein
für alles was da Leben heißt und hoffen,
dass mich jemand danach fragt.

Und wenn irgendwo was losgeht,
möchte ich auf jeden Fall dabei sein
und immer in der ersten Reihe stehen.
Ich will auch wieder auf die Schnauze fallen
und das alles genießen, ja genießen,
den ersten Sonnenaufgang muss ich sehen.

   Komm gib mir deine Hand
   und deine Augen, deine Worte
   und schenke mir deine Sympathie.
   Dann nehme ich meinen Rücken
   endlich von der Wand
   und werde leben wie noch nie.

Wie viele Sommer habe ich schon erlebt,
und wie oft habe ich sie schon
so lange wie möglich ausgedehnt?
Und in wie vielen Wintern habe ich daran gezweifelt
und ohne warme Hände, die den Weg mir zeigen,
mich einfach nur danach gesehnt?

Wie oft war ich der Letzte an der Adria
oder der Erste in Sizilien und ich habe
immer interessante Menschen getroffen.
Und wenn ich auch oft alleine war und
manchmal viel zu schnell gegangen bin,
war ich doch stets für eine Rückkehr offen.

   Komm gib mir deine Hand
   und deine Augen, deine Worte
   und schenke mir deine Sympathie.
   Dann nehme ich meinen Rücken
   endlich von der Wand
   und werde leben wie noch nie.

Ich war so oft der Letzte,
und habe kein Problem damit,
mit meinen Erwartungen zu scheitern.
Doch manchmal war ich auch der Erste,
dafür hat es sich gelohnt, und ich konnte dich
und manchmal sogar auch mich erheitern.

Und dann hatte ich plötzlich ein Lächeln,
oder einfach nur einen warmen Körper
vorbehaltlos an der Seite neben mir.
Was mir irgendwie gezeigt hat, dass mein Weg
nicht ganz so falsch gewesen sein kann
und genau so ehrlich, wie der Blick von Dir.

   Komm gib mir deine Hand
   und deine Augen, deine Worte
   und schenke mir deine Sympathie.
   Dann nehme ich meinen Rücken
   endlich von der Wand
   und werde leben wie noch nie.

Heute ist Sommeranfang, und das ist meistens
ein wunderschöner Tag, wenn man bereit ist,
ehrlich und offen zu seinen Gefühlen.
Aber heute vor einem Jahr, ist Georg Danzer gestorben,
da ist die Welt ein wenig ärmer geworden, und ein
Platz wieder frei, irgendwo zwischen den Stühlen.
 
(für Georg Danzer)


"I war immer scho a Träumer und i wer a Träumer bleibn und ihr könnt`s ma glaubn, i bin des wirklich gern."          (Georg Danzer)                                          Fotolink: youtube(music)        

ATC "HIS DAY" und Karte "Fly" von Martina S.-K. für Georg Danzer, 21.6.08/ Link "His Day" zu Martinas wunderschöner Galerie -                                                                      unbedingt ansehen!



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November 2011: Georg Kreisler und Ludwig Hirsch sind gestorben. Österreich und die literarisch kulturelle Welt ist wieder etwas ärmer geworden!

"...und dann fliagn mia aufi, mittn in Himmel eini, in a neiche Zeit, in a neiche Welt, un i werd singa, i werd lache, i werd des giabts net schrein, wei i werd auf amal kapiern, worum sich olles dreht." (Ludwig Hirsch)


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Dezember 2014: Udo Jürgens ist gestorben. Das gibt`s doch gar nicht, Udo ist doch immer da gewesen. Seine Musik begleitet mich seit Jahrzehnten, seine Texte haben irgendwie auch mit dazu beigetragen, dass ich angefangen habe zu schreiben. Seine Zielstrebigkeit und seine Ausdauer habe ich immer bewundert. Er war ein Getriebener, bis ins hohe Alter, aber er hat sein Leben gelebt. Die deutschsprachige Musikszene ist erheblich ärmer geworden. So jemand wie Udo wird es in unserer heutigen kurzlebigen Zeit wohl nicht mehr geben.
(you tube-link: Immer wieder geht die Sonne auf, Foto von einer LP Stern-Ariola)
https://www.youtube.com/watch?v=Z9d33YUILvQ



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                                                    eine schlichte geschichte
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                                                     ein gesicht                           
                                           ein gedicht
                                           eine geschichte -
                                           eine schlichte geschichte
                                           erzählen
                                           ein gedicht
                                           erwählen
                                           ein gesicht
                                           quälen...  

                                                               

                  

                                         schweigen
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             montags vor dem chef verneigen
dienstags mit den kindern drachen steigen
              mittwochs hausmusik mit geigen
                     donnerstags diät mit feigen
              freitags spaß bei tanz und reigen
                    samstags urlaubsdias zeigen
                           sonntags ... schweigen







neujahr

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ein neues jahr
ein neues gedicht...
das will ich nicht!

ich behalte
das alte...






                                                die möwe dada
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fliegt eine möwe
von hier nach da -
warum nicht
von da nach hier

geht nicht
sagt sie
heiße hierda

müßte sonst
dahier heißen

oder hierhier
wenn  nicht
nach da geflogen

oder dada
wenn gar nicht
hätte fliegen
müssen








übers jahr gekommen
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im januar das jahr erwarten
im februar noch frieren
im märz dann auf den frühling warten
im april die erste wärme spüren -

im mai ist alles schon vorbei

im juni auf den sommer warten
im juli in der sonne schwitzen
im august gern unter palmen sitzen
im september dann den herbst erwarten -

im oktober sehen wie bäume blätter verlieren
im november wieder frieren
im dezember auf den winter warten -

am ende in der zeitung lesen
was im vergangnen jahr gewesen
und was wir uns alles ersparten

...und dann den tod erwarten





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Buchempfehlung:  Jean Amery: "Hand an sich legen"  (Cotta´s Bibliothek der Moderne)


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(für S.)


du, komm her
und leihe mir deine ohren
für die dauer eines wortes,
damit ich sagen kann,
was andere nicht verstehen.

ich habe schon viel zu oft
zu tauben ohren gesprochen,
schon viel zu viele schreie
sind ungehört verklungen.

 
ach bitte,
leihe mir deine augen
für die dauer eines blickes,
deine augen sehen so viel,
was andere nicht erkennen.

ich sehe so viel traurigkeit
und weiß, es muß auch schönes geben,
schon viel zu viele augen
sind durch tränen blind geworden.

leihe mir bitte deine freude
für die dauer eines festes,
ich möchte viele menschen einladen
und mit ihnen feiern.

doch ich kann mich nicht mehr freuen
und das lachen fällt mir schwer,
es wird auch viel zu viel gelogen
und viel zu viel leid
hat all die unbefangenheit getötet.


und draußen wird es jetzt
schon ziemlich kalt
und einsam in den
langen klaren nächten.
die tage sind so kurz geworden
und streifen mich nur noch am rande.

gib mir deine hand
und leihe mir deine wärme
für die dauer dieses winters.






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Und jetzt geht es "heiter weiter"....


(Link: "Fenstergucker")




"Moralische Geschichten aus der Psychoszene"





Der Frosch und die Schlange


Es war einmal ein Frosch,
der hielt sich für schwach,
war sehr ängstlich und fürchtete
sich am meisten vor Schlangen.

Sein Analytiker erzählte ihm etwas
von verdrängter unbewältigter
Kaulquappenzeit, sprach von der
Schlange in ihm selbst und davon,
daß Kaulquappen in größenwahnsinniger
Selbstüberschätzung sich oft für
Wasserschlangen hielten.

Auch die Schmerzen in den Schenkeln
wurden dem Frosch als rein
psychosomatisch gedeutet, denn der
Analytiker war ein Feinschmecker.

Eines Tages kam eine Prinzessin
und küßte den Frosch,
da verwandelte sich der
Analytiker in einen Prinzen.

Von da an war der Frosch seine Angst
vor Schlangen los, freilich ohne
den Zusammenhang zu ahnen.

Die Moral: Nicht nur Frösche haben
Größenphantasien, auch Schlangen
fürchten sich vor Prinzessinen.

 




 
Der Hund und der Triebwagen


Es war einmal ein Hund,
der wurde in der S-Bahn
ohne Fahrschein erwischt.

Als der Kontrolleur ihn zur Rede stellte,
erklärte der Hund, er sei kein
Hund im eigentlichen Sinne, sondern
er verkörpere nur die triebhafte Seite
des Kontrolleurs.

Dieser bekam einen roten Kopf
und wehrte sich mit der Frage,
warum der Hund denn keinen Maulkorb trage?
Worauf der Hund mit einer
vermuteten Kastrationsangst konterte
und fragte, warum der Kontrolleur seinen
Trieben denn Fesseln anlegen wolle?

Da wurde es dem Kontrolleur zu bunt
und er verlangte 40,-- Mark.
Sie sind wirklich nur ein Kopfmensch,
sagte der Hund.

Die Moral: Lieber die Gefühle verkümmern lassen,
als die Haltestelle verpassen.

  



Der Wald und die sieben Geißlein

  
Es waren einmal sieben Ziegen,
die gingen in den Wald
zur Gruppentherapie.
Der Therapeut, als Wolf getarnt
um gutmütiger zu wirken,
erklärte ihnen, daß der Wald
für das Unbewußte stehe.

Wofür denn dann die Borkenkäfer stünden,
fragte eine der Ziegen, doch
das wurde ihr nur als Widerstand ausgelegt.
Eine andere fragte den Wolf,
warum er denn so große Augen habe?

Damit ich besser sehen kann,
wann die Stunde rum ist,
erklärte der Wolf und meinte jedoch,
daß diese Frage nicht hier her gehöre.

Wohin dann?
fragten die anderen Ziegen
und gemeinsam suchten sie nach einer Antwort.

Die Moral: Der Wald stirbt schneller, als das
Unbewußte es verdrängen kann.


an der Isar




Der Dackel und der Deckel


Es war einmal ein Dackel,
der verirrte sich
in einem Küchenschrank.
Dort traf er einen Topf
mit einem Loch im Kopf.

Er fragte ihn, warum er denn
nach oben hin offen sei
wie die Richter-Skala
und der Topf erklärte ihm traurig,
daß er seinen Deckel verloren habe.

Der Dackel hatte großes Mitleid
mit dem Topf und außerdem sowie
nichts besseres zu tun und er fragte,
ob er denn der Deckel sein dürfe?

Du? fragte der Topf erstaunt und
schaute etwa so wie damals, als die
Spaghetti übergekocht waren.
Du willst mein Deckel sein? Hast du
überhaupt ein Ventil zum pfeifen?
Ich bin nämlich ein Schnellkochtopf.

Ich bin auch nicht gerade langsam,
machte der Dackel noch einen letzten
verzweifelten Versuch.
Du bist so unnütz wie ein Kropf,
sagte der Topf.

Die Moral: Ein Buchstabe trennt oft mehr,
als ein ganzes Alphabet.

 




 
Das Kamel und das Klavier

 
Es war einmal ein Kamel,
das trottete durch die Wüste.
Plötzlich sah es ein Klavier
auf sich zukommen.

Zum Glück saß auf seinem Rücken
ein Psychiater auf Ägypten-Urlaub,
der bei der Umrundung der Pyramiden
die Orientierung verloren hatte.

Hey du, sagte das Kamel, da kommt
ein Klavier auf uns zu.
Was fällt dir zu Klavier ein? fragte
der Psychiater und dem Kamel fiel nichts
ein und es zeigte grinsend seine
schwarz-weißen Zähne.

Die Moral: Nicht jedem Kamel fällt auf
eine Frage des Psychiaters etwas ein.



 

 
Der Rochen und der Knochen

 
Es war einmal ein Seehund, der nagte
einen Knochen ab und versenkte ihn dann
nach seehundart im Meer.

Auf dem Meeresgrund entdeckte nun ein
Rochen den Knochen
und umkreiste ihn und tat so, als
beschnuppere er ihn, was freilich
unter Wasser nicht möglich war.

Was willst du von mir, fragte
der Knochen mißtrauisch.
Was bist du für ein seltsamer Fisch?
blubberte der Rochen.

Ich bin kein Fisch, ich bin ein Knochen!
Ober- oder Unterschenkel? fragte
der Rochen nach einigen langen Blicken.

Weder nochen, antwortete der Knochen,
man nennt mich Humerus.                            
Angeber, murmelte da ein Hummer,
der gerade langsam vorüberkroch.

Die Moral: Ein Rochen ist meistens dümmer
als ein Hümmer.

  



Das Wiesel und der Kreisel

  
Es war einmal ein Kreisel, der drehte
sich auf einer Wiese gedankenverloren
um sich selbst.
Ein Wiesel kam des Weges und beobachtet
das seltsame Treiben.

Warum drehst du dich immer im Kreise?
fragte das Wiesel.
Keine Ahnung, ich habe es vergessen,
antwortete der Kreisel.

Dann bleib doch stehen.
Gute Idee.
Der Kreisel blieb stehen, doch es war ihm
ganz schwindlich und er mußte sich übergeben.
Angewiedert setzte das Wiesel seinen Weg fort.

Der Kreisel wurde sehr nachdenklich, während
er still auf der Wiese herumstand.
Sein Leben war plötzlich so sinnlos geworden
und er wurde depressiv.

Das Wiesel jedoch überlegte, daß es schön
sein mußte, sich so im Kreis zu drehen
und dann begann es sich selbst zu drehen.
Schneller und immer schneller.

Die Moral: Lieber weise durch das Leben wieseln,
anstatt als Kreisel in eine Krisel zu kommen.




Zur Mühle an der Isar



Der Fahrstuhl und die Kellerassel

  
Es war einmal ein Fahrstuhl, der fuhr
oft bis in den Keller hinunter.
Dort lernte er eine Kellerassel kennen und
lieben und bald heirateten die beiden.

Der Fahrstuhl erzählte von der Welt oben,
besonders vom 3. Stock, wo eine schöne
Fee wohnte. Daß er im Parterre auch ein
Verhältnis mit einem Silberfisch hatte,
verschwieg er selbstverständlich.

Allerdings nahm er die Kellerassel niemals
mit nach oben, obwohl sie ihn schon
mehrfach darum gebeten hatte.

So vergingen viele Jahre und als die Kellerassel
darauf kam, daß der Fahrstuhl sich
liften ließ. da vermutete er sofort eine
jüngere Freundin dahinter.
Die beiden gingen zum Scheidungsanwalt.

Nun verliebte sich die Kellerassel in
den Anwalt und obwohl der Fahrstuhl
Nerven wie Drahtseile hatte, rissen sie
ihm jetzt doch und alle drei stürzten
durch den Schacht in den Keller.

Die Moral: Gegen die Liebe hilft kein Liften,
es sei denn, man heißt Dean Martin.

 



Der Holzwurm und die Motte


Es war einmal ein Holzwurm,
der lebte im Sessel eines Analytikers
und zwar schon in der dritten Generation.

Drei mal in der Woche sprach er mit
einer Motte jeweils 50 Minuten, die
im Polster der dazugehörigen Couch lebte.

Sie erzählte ihm von ihrer Freßsucht
und er hörte schweigend zu.
Wenn sie auch schwieg, dann zeugten nur
die knisternden Geräusche im Holz
von der Anwesendheit des Wurmes.

So vergingen Woche um Woche,
Monat um Monat, Jahr um Jahr.

Als das Polster der Couch nur noch
aus Löchern bestand, da brach
der Sessel pulverisiert zusammen.

Die Moral: Wer zuviel bohrt
wird selber morsch.

  




Zwei Blinde und ein Auge

Eine Blindschleiche und ein Blinddarm
krochen gemeinsam orientierungslos
durch den Wald.
Plötzlich stießen sie auf ein Fettauge.

Willst du uns nicht begleiten? fragten sie,
denn wir können nichts sehen und du
kannst uns den Weg zeigen.

Gut, sagte das Fettauge, ich gehe mit
einem von euch beiden.
Ihr müßt um mich kämpfen.

Blindschleiche und Blinddarm sahen sich
erstaunt an, merkten es aber nicht,
da sie blind waren.

Ich soll mit diesem Wurmfortsatz kämpfen?
lachte die Blindschleiche, worauf der
Blinddarm sofort sehr gereizt wurde.

Dann begann ein wilder Kampf zwischen beiden.

Während dessen kam eine Fleischbrühsuppe des
Weges und freute sich: Da bist du ja, du kleiner
Ausreiser, und schwupp - schwamm
das Fettauge in der Suppe davon
und ward nie mehr gesehen.

Die Moral: Wenn zwei sich streiten,
freut sich die Suppe.






"...und draußen wird es
 jetzt schon ziemlich kalt
 und einsam in den
 langen klaren nächten -
 die tage sind so kurz geworden
 und streifen mich nur noch am rande -
 gib mir deine hand
 und leihe mir deine wärme
 für die dauer dieses winters."


 



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 (sämtliche Texte und Fotos: cop. by h.lederer) 

(Ausnahmen: Foto Challenger aus dem Internet / Foto-Link Gudrun Ensslin aus dem Internet / Fotos von Jennifer Nitsch aus dem Internet - Fotos von Angelo d`Arrigo von seiner Homepage  und Foto und Text von Hanns Dieter Hüsch aus einem Programmheft / Skulptur von A.Giacometti /                                             Zeichnung Neruda von Fundacion Pablo Neruda, Chile / Foto Georg Danzer von seiner CD von Universal Music/ ATC his day + Karte fly von Martina S.-K. /
Foto Udo Jürgens von einer Stern/Ariola LP - copyright jeweils dort


 
     
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